Die Synagoge Ulm befindet sich am Weinhof im historischen Zentrum der baden-württembergischen Stadt Ulm, unweit des Schwörhauses und des Ulmer Münsters. Das 2012 eingeweihte Gotteshaus bildet gemeinsam mit dem jüdischen Gemeindezentrum einen wichtigen Mittelpunkt des religiösen und kulturellen Lebens in der Region. Der Neubau steht in unmittelbarer Nähe des Standortes der früheren Ulmer Synagoge, die während der nationalsozialistischen Herrschaft zerstört wurde.
Die Geschichte des jüdischen Gemeindelebens in Ulm reicht bis ins Mittelalter zurück. Eine repräsentative Synagoge entstand zwischen 1870 und 1873 nach Entwürfen des Stuttgarter Architekten Adolf Wolff. Sie wurde am 12. September 1873 eingeweiht. Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten das Gebäude in Brand. Obwohl das Feuer keine vollständige Zerstörung verursachte, wurde die Synagoge anschließend auf Anordnung der Stadtverwaltung abgerissen. Die jüdische Gemeinde wurde durch Verfolgung, Vertreibung und Deportationen weitgehend ausgelöscht.
Nach 1945 entwickelte sich jüdisches Gemeindeleben zunächst nur in begrenztem Umfang. Seit den 1990er Jahren wuchs die Zahl jüdischer Einwohner wieder, insbesondere durch Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion. Mit der Ankunft des Rabbiners Shneur Trebnik im Jahr 2000 begann der Aufbau eines regelmäßigen Gemeindelebens. Die bisherigen Gebetsräume wurden bald zu klein, sodass die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs einen Synagogenneubau plante.
Den Architekturwettbewerb gewann das Kölner Büro kister scheithauer gross. Der Entwurf entstand unter maßgeblicher Verantwortung der Architektin Susanne Gross. Am 17. März 2011 erfolgte der erste Spatenstich. Die feierliche Einweihung fand am 2. Dezember 2012 in Anwesenheit von Bundespräsident Joachim Gauck statt.
Der Neubau präsentiert sich als freistehender, etwa 17 Meter hoher Kubus mit einer hellen Kalksteinfassade. Seine reduzierte Formensprache verzichtet auf historische Stilzitate. Besonders charakteristisch ist das sogenannte Jerusalemfenster, dessen geometrisches Muster aus Davidsternen über 600 Öffnungen umfasst. Der nach Jerusalem ausgerichtete Gebetsraum erhält dadurch eine besondere natürliche Beleuchtung.
Neben dem Gebetssaal beherbergt das Gebäude eine Mikwe, einen Gemeindesaal, Unterrichts- und Verwaltungsräume sowie Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Die Synagoge wird von der jüdischen Gemeinde weiterhin religiös genutzt und dient zugleich als Ort der Begegnung und Bildung. Sie steht für die Wiederbelebung jüdischen Lebens in Ulm und die bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte des zerstörten Vorgängerbaus.