Die Westend-Synagoge befindet sich in der Freiherr-vom-Stein-Straße im Frankfurter Stadtteil Westend-Nord. Sie ist das größte jüdische Gotteshaus der Stadt und gehört zu den wenigen bedeutenden Synagogen Deutschlands, die während der nationalsozialistischen Herrschaft nicht vollständig zerstört wurden. Bis heute bildet sie einen zentralen Ort des religiösen Lebens der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main.
Die Synagoge wurde zwischen 1908 und 1910 nach Plänen des Architekten Franz Roeckle errichtet. Der Neubau entstand, weil sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend jüdische Familien im Westend niederließen und die liberale Richtung der Israelitischen Gemeinde einen größeren Gebetsraum benötigte. Am 28. September 1910 wurde das Gebäude feierlich eingeweiht.
Architektonisch verbindet die Westend-Synagoge neoklassizistische Formen mit Elementen des Jugendstils sowie ägyptisch-assyrischen Gestaltungsmotiven. Den Mittelpunkt bildet ein monumentaler, von einer Kuppel überwölbter Zentralbau. Die Fassaden bestehen überwiegend aus Muschelkalk. Über dem Eingangsbereich befindet sich ein Relief mit einem Löwen und dem Davidstern. Ein überdachter Portalbau führt in einen Vorhof, von dem aus die eigentlichen Gebetsräume erreichbar sind.
Besonders charakteristisch ist die reich ornamentierte Innenausstattung mit blauen und goldfarbenen Gestaltungselementen. Neben dem großen Gebetssaal umfasst der Gebäudekomplex weitere Gebets- und Versammlungsräume sowie Einrichtungen der Gemeinde.
Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten die Synagoge in Brand. Große Teile der Innenausstattung und des Daches wurden zerstört. Bei Luftangriffen im Jahr 1944 erlitt das Gebäude weitere schwere Schäden. Anders als zahlreiche andere Synagogen blieb die grundlegende Bausubstanz jedoch erhalten.
Zwischen 1948 und 1950 wurde die Synagoge unter Beteiligung der Architekten Max Kemper und Werner Hebebrand sowie des Gestalters Hans Leistikow wiederhergestellt. Im Jahr 1950 erfolgte die erneute Einweihung. Weitere Restaurierungsarbeiten an den Fassaden fanden von 1980 bis 1984 statt. Zwischen 1988 und 1994 wurde unter Leitung des Architekten Henryk Isenberg insbesondere die historische Innenausstattung rekonstruiert.
Heute wird die Westend-Synagoge wieder regelmäßig für Gottesdienste genutzt. Der große Gebetsraum dient der orthodoxen Gemeinde. Daneben befinden sich im Gebäudekomplex das Beth-Hamidrasch Westend und weitere Gebetsräume, die unterschiedliche religiöse Traditionen repräsentieren. Die Synagoge ist damit zugleich ein bedeutendes Kulturdenkmal, ein Zeugnis jüdischer Geschichte und ein lebendiges Zentrum jüdischer Gegenwart in Frankfurt am Main.