Ort · Geschichte · Gegenwart

Synagoge Worms

Worms · Rheinland-Pfalz

Aktive Synagoge
Geschichte & Informationen

Die Synagoge Worms befindet sich im historischen jüdischen Viertel der Stadt Worms in Rheinland-Pfalz. Sie zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen mittelalterlicher jüdischer Kultur in Europa und bildet gemeinsam mit der benachbarten Mikwe und der ehemaligen Frauensynagoge den historischen Synagogenbezirk. Seit 2021 gehört dieser als Bestandteil der SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Geschichte des Gotteshauses reicht bis ins Jahr 1034 zurück. Damals stifteten Jakob ben David und seine Frau Rahel den ersten nachweisbaren Synagogenbau. Eine erhaltene hebräische Stifterinschrift erinnert an diese frühe Phase. Nach Zerstörungen im Zusammenhang mit den Kreuzzügen entstand 1174/75 ein romanischer Neubau, dessen Architektur den Synagogenbau in Mitteleuropa nachhaltig beeinflusste.

Der Gebetsraum wurde als zweischiffige Halle mit zwei tragenden Säulen und einem Toraschrein gestaltet. Charakteristisch sind die romanischen Bauformen und die sorgfältig ausgeführten Steinmetzarbeiten. Die Gestaltung steht in Verbindung mit der Wormser Dombauhütte. Ein einzelner Architekt des mittelalterlichen Gebäudes ist nicht gesichert. Bereits 1185/86 entstand in unmittelbarer Nähe eine Mikwe. In den Jahren 1212/13 wurde die Anlage um eine Frauensynagoge erweitert, die als frühestes bekanntes Beispiel eines solchen eigenständigen Gebetsraumes gilt. Im 17. Jahrhundert kam die sogenannte Raschi-Jeschiwa hinzu.

Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten die Synagoge in Brand. Die Innenausstattung wurde vernichtet, verbliebene Gebäudeteile wurden anschließend weitgehend zerstört. Damit endete die jahrhundertelange Kontinuität jüdischen Gemeindelebens an diesem Ort gewaltsam.

Zwischen 1957 und 1961 erfolgte der Wiederaufbau nach historischem Vorbild. Dabei wurden erhaltene mittelalterliche Bauteile wiederverwendet. Am 3. Dezember 1961 wurde die Synagoge feierlich wieder eingeweiht. Der Wiederaufbau sollte die architektonische Überlieferung bewahren und zugleich an die zerstörte jüdische Gemeinde erinnern.

Heute gehört die Synagoge der Jüdischen Gemeinde Mainz und wird wieder für Gottesdienste genutzt. Zugleich ist sie ein bedeutender Erinnerungs- und Lernort. Ihre Geschichte verdeutlicht die kulturelle Bedeutung des jüdischen Worms ebenso wie die Folgen antisemitischer Verfolgung und die Bemühungen um die Bewahrung jüdischen Erbes.

Прокрутить вверх