Ort · Geschichte · Gegenwart

Neue Synagoge Mainz

Mainz · Rheinland-Pfalz

Aktive Synagoge
Geschichte & Informationen

Die Neue Synagoge Mainz befindet sich am Synagogenplatz im Stadtteil Mainz-Neustadt, an der Ecke Hindenburgstraße und Josefsstraße. Das 2010 eröffnete Gebäude dient als Synagoge und Gemeindezentrum der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen. Mit seiner ungewöhnlichen Architektur und seiner historischen Lage verbindet es das gegenwärtige jüdische Gemeindeleben mit der jahrhundertelangen jüdischen Tradition der Stadt.

Mainz, im jüdischen Mittelalter als Magenza bekannt, gehörte gemeinsam mit Speyer und Worms zu den bedeutendsten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit in Europa. Auf dem heutigen Synagogengelände stand zuvor die 1912 eingeweihte Hauptsynagoge, die nach Entwürfen des Architekten Willy Graf errichtet worden war. Während der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 wurde das Gotteshaus geplündert und in Brand gesetzt. Am 17. November 1938 ließ die Stadtverwaltung die verbliebenen Gebäudeteile sprengen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand auf dem Grundstück zunächst ein Hauptzollamt. Bei Bauarbeiten wurden 1988 Überreste des Säulenportikus der zerstörten Synagoge entdeckt und anschließend als Mahnmal aufgestellt. Mit dem erneuten Wachstum der jüdischen Gemeinde, insbesondere durch die Zuwanderung aus Osteuropa, entstand der Bedarf an einem größeren religiösen und kulturellen Zentrum.

Den Architekturwettbewerb gewann 1999 der Architekt Manuel Herz. Im November 2008 wurde der Grundstein gelegt. Am 3. September 2010, genau 98 Jahre nach der Einweihung des Vorgängerbaus, wurde die neue Synagoge feierlich eröffnet. An der Zeremonie nahmen unter anderem Bundespräsident Christian Wulff und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft teil.

Der Entwurf gehört zur zeitgenössischen Architektur und zeichnet sich durch seine kantigen, asymmetrischen Baukörper aus. Die Form orientiert sich an den fünf hebräischen Buchstaben des Wortes „Keduschah“, das Heiligung bedeutet. Die Außenflächen sind mit grün glasierten Keramikprofilen verkleidet, deren Anordnung die Fenster und die plastische Gestaltung der Fassaden hervorhebt. Der nach Osten ausgerichtete Gebetsraum erhält durch einen erhöhten, trichterförmigen Dachaufbau natürliches Licht.

Zum Gebäudekomplex gehören neben dem Gebetssaal eine Mikwe, Unterrichts- und Gemeinderäume sowie weitere Einrichtungen für religiöse und kulturelle Aktivitäten. Ein öffentlicher Vorplatz und ein geschützter Innenhof gliedern die Anlage. Auf dem Synagogenplatz erinnern erhaltene Säulenfragmente an die 1938 zerstörte Hauptsynagoge.

Heute ist die Neue Synagoge Mainz ein aktives jüdisches Gotteshaus und ein wichtiger Ort des Gemeindelebens. Sie wird für Gottesdienste, religiöse Feiern, Bildungsangebote und Veranstaltungen genutzt. Zugleich dokumentiert der Neubau die Wiederbelebung jüdischen Lebens in Mainz und den bewussten Umgang mit der Geschichte des Ortes.

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