Die Alte Synagoge Essen befindet sich am Edmund-Körner-Platz im Zentrum der nordrhein-westfälischen Stadt Essen. Das monumentale Gebäude gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Synagogenbauten Deutschlands aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Heute dient es als Haus jüdischer Kultur, Gedenkstätte und Ort der historisch-politischen Bildung.
Die Synagoge wurde zwischen 1911 und 1913 nach Plänen des Architekten Edmund Körner errichtet. Anlass für den Neubau war das starke Wachstum der jüdischen Gemeinde im Zuge der Industrialisierung Essens. Die bisherige Synagoge an der Weberstraße bot nicht mehr genügend Platz. Am 25. September 1913 wurde das neue Gotteshaus feierlich eingeweiht. Ursprünglich trug es die Bezeichnung „Neue Synagoge“.
Architektonisch verbindet das Gebäude unterschiedliche historische und zeitgenössische Gestaltungselemente. Die monumentale Fassade aus Muschelkalk, die mächtige Kuppel und die reich gegliederten Baukörper zeigen byzantinische, orientalische und jugendstilistische Einflüsse. Der rund 70 Meter lange Bau besaß einen großzügigen Gebetsraum mit Frauenempore, Orgel und einer ursprünglich farbenprächtigen Ausstattung. Zum Komplex gehörten außerdem eine Wochentagssynagoge und ein angrenzendes Rabbinerhaus mit Gemeinderäumen.
Während der nationalsozialistischen Novemberpogrome am 9. November 1938 wurde die Synagoge in Brand gesetzt und ihr Innenraum schwer zerstört. Die massive Baukonstruktion verhinderte jedoch den vollständigen Einsturz. Auch die Bombardierungen Essens im Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude äußerlich weitgehend. Nach 1945 blieb es zunächst als beschädigte Ruine bestehen.
1959 erwarb die Stadt Essen das Gebäude und ließ es für das Designmuseum „Haus Industrieform“ umbauen. Dabei gingen weitere Teile der ursprünglichen Innenausstattung verloren. Erst 1980 wurde die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte und historisch-politisches Dokumentationsforum eröffnet. Zwischen 1986 und 1988 erfolgte eine teilweise Rekonstruktion des historischen Innenraums.
Nach einer umfassenden Neugestaltung wurde das Haus im Juli 2010 als „Alte Synagoge – Haus jüdischer Kultur“ wiedereröffnet. Seine Ausstellungen vermitteln jüdische Geschichte, Religion, Traditionen und Alltagskultur. Seit 2023 werden zudem Dach und Fassaden denkmalgerecht saniert.
Die Alte Synagoge wird heute nicht mehr als reguläres Gotteshaus genutzt. Als städtische Kultureinrichtung bewahrt sie die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Essens und verbindet die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Verfolgung mit der Vermittlung jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart.