Ort · Geschichte · Gegenwart

Synagoge Roonstraße

Köln · Nordrhein-Westfalen

Aktive Synagoge
Geschichte & Informationen

Die Synagoge Roonstraße befindet sich gegenüber dem Rathenauplatz im Kölner Stadtteil Neustadt-Süd. Sie ist das religiöse und kulturelle Zentrum der Synagogen-Gemeinde Köln und gehört zu den bedeutenden erhaltenen Synagogenbauten im Rheinland. Ihre Geschichte verbindet die Entwicklung jüdischen Lebens im 19. Jahrhundert mit der nationalsozialistischen Verfolgung und dem Wiederaufbau nach 1945.

Zwischen 1895 und 1899 entstand das Gotteshaus nach Plänen der Kölner Architekten Emil Schreiterer und Bernhard Below. Die jüdische Bevölkerung Kölns war im Zuge der Industrialisierung deutlich gewachsen, sodass zusätzliche Räume für Gottesdienste und Gemeindearbeit benötigt wurden. Die ursprünglich liberal ausgerichtete Synagoge bot etwa 1.400 Menschen Platz und wurde am 22. März 1899 feierlich eingeweiht.

Der Bau wurde im neoromanischen Stil errichtet und nimmt Formen der rheinischen Romanik auf. Das äußere Erscheinungsbild prägen Fassaden aus Tuffstein und Sandstein, Rundbogenfenster, schlanke Ecktürmchen sowie eine große Fensterrosette über der Eingangszone. Die monumentale Anlage fügt sich in die gründerzeitliche Stadterweiterung rund um den Rathenauplatz ein.

Während der Novemberpogrome 1938 setzten Nationalsozialisten das Gebäude in Brand. Der Innenraum wurde verwüstet; im Zweiten Weltkrieg verursachten Luftangriffe zusätzliche Schäden. Am 29. April 1945 versammelten sich jüdische Überlebende in den Ruinen der Synagoge zu einem Gottesdienst und gründeten die Kölner Gemeinde neu. Das beschädigte Gotteshaus wurde damit zu einem frühen Ort des religiösen Wiederbeginns.

1957 beauftragte die Gemeinde den Architekten Helmut Goldschmidt mit dem Wiederaufbau, der 1958 und 1959 ausgeführt wurde. Die historische Außenansicht blieb in wesentlichen Zügen erhalten, während der Innenraum funktional und gestalterisch neu geordnet wurde. Zur feierlichen Wiedereinweihung am 20. September 1959 kam auch Bundeskanzler Konrad Adenauer. Noch im Dezember desselben Jahres wurde das Gebäude durch antisemitische Schmierereien geschändet.

Heute finden in der Synagoge regelmäßig Gottesdienste statt. Zum Komplex gehören außerdem eine Mikwe, Räume für Religionsunterricht und Gemeindeveranstaltungen, ein Jugendzentrum, ein kleines Museum und ein koscheres Restaurant. Ein bedeutendes Ereignis war der Besuch von Papst Benedikt XVI. am 19. August 2005, der erste Besuch eines Papstes in einer deutschen Synagoge. Als lebendiges Gemeindezentrum und geschütztes Baudenkmal steht die Synagoge Roonstraße für die Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Köln.

Прокрутить вверх